Zink in Pflanzen
Zink ist ein unedles Schwermetall; daher kommt es in der Natur nie als Element, sondern stets in Form von Verbindungen
vor, so z. B. als Zinksulfit (ZnS), Zinkcarbonat (Galmei, ZnCO3), Zinksilikat (Kieselzinkerz, Zn2SiO4 · H2O)
u. dgl. Große Zinklager gibt es vor allem in Amerika (Joplingebiet).
Kleine Zinkmengen (in der Größenordnung von Milligrammen im Kilo Boden) sind in den meisten Böden nachweisbar; doch gibt
es auch nahezu zinkfreie Böden, deren Pflanzenwuchs vielfach "Zinkmangelkrankheiten" aufweist. Einige Pflanzen haben
sich an hohe Zinkgehalte des Bodens angepasst, so daß sie sogar Zinkerzgebiete bevorzugen. Hierher gehört das gelbblühende
Galmei-Veilchen (Viola calaminaria), das auf Galmeiböden bei Aachen wächst, ferner Rassen des naheverwandten Stiefmütterchens,
das Pfennigkraut, der Taubenkropf usw.
Die meisten Pflanzenaschen enthalten etwa 0,5 - 1% Zink (als Oxyd berechnet). Die Zinkgehalte von Bananen, Blumenkohl,
Tomaten, Kartoffeln erreichen nur 2 - 3 mg / kg; 10 - 14 mg / kg findet man bei Zwiebeln, 3 - 10 mg / kg im Frischgemüse,
2 mg / kg in Zuckerrüben, 10 - 50 mg / kg in Getreidekörnern und Hülsenfrüchten, 40 - 280 mg / kg in Pilzen. Natürlich
sind diesen Zahlen erhebliche Schwankungen unterworfen; Herkunft und Alter der untersuchten Pflanzen spielen
eine Rolle. Einzelne Pflanzen können erhebliche Zinkmengen in sich anreichern; so sammelt z. B. ein Gras (Setaria, Fennich)
in Florida bis zu 585 mg / kg Zink in sich an, während auf dem gleichen Boden Mais an Zinkmangelerscheinungen erkrankt.
Eine Ambrosia-Art (Korbblütler), die in der Nähe eines Zinkausbisses in Arkansas wuchs, hatte die Rekordziffer von
3800 mg Zink im Kilo Pflanzensubstanz angehäuft; das ist das über 100fache bei Pflanzen sonst übliche "Normalbetrag".
Über die Wirkungsweise des Zinks im pflanzlichen Organismus ist in den letzten Jahren u. a. folgendes bekannt geworden:
Zinkt spielt offenbar (neben Eisen und Kupfer) eine Rolle bei vielen biologischen Oxydationen und Reduktionen, und zwar
vermutet man, daß Eisen und Mangan bei den Oxydations-Reduktionsprozessen hauptsächlich bei der Anlagerung und Entferndung
von Sauerstoff, Zink und Kupfer dagegen bei der Anlagerung und Abspaltung von Wasserstoff beteiligt sind. Bei Zinkmangel
treten Störungen in der Kohlenhydratoxydation auf. In der Carbonanhydratase (Ferment, daß die Zerlegung und Bildung
von H2CO3 aus H2O und CO2 katalysiert) fand man neben Eiweiß 0,3% Zink.
Dieses lebenswichtige Ferment ist in Tieren und Pflanzen verbreitet, es spielt ofenbar auch bei der Assimilation eine
Rolle. Bei Zinkmangel kann sich nicht genug von diesem Ferment bilden; es sammeln sich dann größere Mengen von
Kohlensäure (H2CO3) in den Pflanzengeweben an; diese bewirken eine Verlangsamung der biologischen
Oxydationen. Man fand bei Tomaten und Sonnenblumen, die in zinkfreien (sonst normalen) Nährlösungen aufwuchsen, den
Gehalt an Wuchsstoffen (Auxin) deutlich vermindert; nach Zinkzusatz erhöhte sich auch der Wuchsstoffgehalt. Zink ist
also offenbar für eine normale Wuchsstofferzeugung nötig; damit erklärt sich auch der Zwergwuchs vieler unter Zinkmangel
leidenden Pflanzen. Auch für die normale Chlorophyllproduktion der Pflanzen scheint Zink von Bedeutung zu sein;
denn Zinkmangel verursacht oft auch Störungen des Chlorophyllapparats. Freilich muß die "Zinkbleichsucht" andere Gründe
haben als die "Eisenbleichsucht"; denn man kann die letztere bei Hortensien nicht durch Zinkzufuhr heilen.
Schon 1914 bewies Mazé durch Nährlösungsversuche, daß Mais zum normalen Gedeihen Spuren von Zink benötigt. Reed zog
1942 zahlreiche Erbsen in sorgfältigst gereinigten Nährlösungen mit Zinkgehalten von 0,0 - 0,005 - 0,02 - 0,10 und
0,20 mg im Liter heran; er fand, daß die in Lösungen mit 0,005 mg / Liter Zink kultivierten Erbsen überhaupt keine
Samen trugen; bei den übrigen Lösungen stieg die Zahl der Samen mit der Zinkkonzentration. In vielen weiteren Versuchen
wurde dargetan, daß z. B. bei Nußbäumen, Pappeln, Feigen, Apfel- und Birnenbäumen, Zwetschgen, Kirschen, Pflaumen,
Orangen, Zitronen, Bohnen, Tabak, Mais, Tomaten, Gurken, Weizen, Roggen, Gerste usw. geeignete, kleine Zinkgaben
vorteilhaft sind.
In Deutschland hat man bis jetzt kaum irgendwelche ernsthafteren Zinkmangelerscheinungen an Kulturpflanzen festgestellt.
In Ungarn, Holland, Dänemark und der Schweiz wurde an Apfelbäumen gelegentlich die sog. "Rosettenkrankheit" ("Little Leaf" in den USA genannt)
beobachtet, die in Amerika beim Kern- und Steinobst häufiger auftritt. Bei dieser Krankheit bilden sich im Frühjahr
Rosetten von ganz kleinen Blättchen (die nur etwa 1/20 der normalen Blattflächen erreichen) mit
chlorotischer Sprenkelung. Die folgenden Schößlinge können zeitweise normale Blätter tragen; doch werden die Blätter
mit vorgerückter Jahreszeit immer kleiner, scheckig und mißgestaltet. Man kann diese Krankheit heilen, wenn man ein Loch
in den Stamm bohrt und dieses mit festem Zinksulfat (ZnSO4) oder einer Zinksulfatlösung ausfüllt. Mulder
heilte 1947 in Holland rosettenkranke Apfelbäume durch winterliche Spritzungen mit 5%iger Zinksulfatlösung bzw. durch
Sommerspritzungen mit wässerigen Aufschwemmungen aus 1,5% Zinksulfat und 0,75% gebranntem Kalk.
In Kalifornien und Florida treten bei den Blättern von Orangen- und Zitronenbäumen hier und da gelbliche Scheckungen
auf, die sich durch Spritzungen mit Zinksulfatlösungen beseitigen lassen. Die Maisernten in Florida schlagen stellenweise
gänzlich fehl, weil die Zinkversorgung der jungen Pflanzen gefährdet ist. Die Blättchen der Sämlinge werden zwischen
den Adern gelblich, später weiß (daher die amerikanische Krankheitsbezeichnung "white bud"); schließlich sterben
sie unter Dunkelfärbung ab. Düngt man das Hektar Mais mit 25 kg Zinksulfat, so unterbleiben diese Krankheitserscheinungen.
Zinkmangelkrankheiten können auch dann auftreten, wenn der Boden Zinkvorräte für mehrere Jahrhunderte enthält; in solchen
Fällen wird das Zink durch Zeolithe, Humussubstanzen, Bakterien u. dgl. so zäh im Boden festgehalten, daß die Pflanzen es nicht
aufnehmen können. In solchen Fällen bleibt auch eine Bodendüngung mit mehreren Hundert Kilo Zinksulfat je Hektar
erfolglos; wohl aber können Spritzungen oder Injektionen mit Zinksulfatlösungen helfen. Oft genügt es schon, einen
verzinkten Nagel in einen zinkmangelkranken Stamm zu schlagen.
In Mitteleuropa ist Zinkdüngung höchstens gelegentlich bei Faserpflanzen (Flachs, Lein).
Allgemein
- Was sind Spurenelemente?
- Praktische Bedeutung der Spurenelemente
- Forschungsmethoden
- Widersprüche und Fehlerquellen
- Verbreitung der Spurenelemente
- Die Wirkungsweise der Spurenelemente
- Die Versorgung mit Spurenelementen
- Zukunftsprobleme
Spurenelemente in Pflanzen
Spurenelemente in Tieren und Menschen