Mangan in Menschen und Tieren

Angesichts der Allgegenwart kleiner Manganmengen in den Böden und Pflanzen ist es nicht weiter verwunderlich, daß auch dieses Element auch im Tierreich spurenweise überall vorkommt. Beispielsweise enthält das Liter Blut vom Pferd 1,15, vom Menschen 0,13 mg Mangan. In der menschlichen Leber konnte man 0,87 bis 3,92 mg, in der Thymusdrüse 1,11 bis 3,5 mg, in den Nieren 1,7 mg, in den Nebennieren 3,22 mg und im Herzen 3,3 - 4,0 mg Mangan (immer auf das Kilo Substanz berechnet) nachweisen.
Der Wirkungsmechanismus des Mangans ist noch nicht im gleichen Ausmaß aufgehellt wie z. B. beim Eisen und Kobalt. Die Mangansalze fördern die Neubildung von roten Blutkörperchen, obwohl sie manganfrei sind. Mangan verstärkt die Wirkung von Oxydasen; so verläuft z. B. die Oxydation von Fetten und Cystein (zu Cystin) bei Gegenwart von Mangan rascher als sonst; auch die Spaltung vieler Peroxyde wird durch Mangan beschleunigt. In einer Reihe von Fermenten kann Mangan als Aktivator auftreten (so z. B. bei Phosphatasen, Enolasen, Carboylasen), doch ist es hier ebenso wie bei Peptidasen, Arginase, Zymase, Cholinesterase usw. durch andere Spurenelemente ersetzbar. Mangan kann als eine Art Katalysator bei der Auswertung und Nutzbarmachung von Vitamin B1 wirken; denn bei Ratten hatte Manganmangel ähnliche Erscheinungen (Verlust der mütterlichen Instinkte und allmählichen Schwund der Fruchtbarkeit) zur Folge wie starker Überschuß an Vitamin B1. Erhalten männliche Ratten ein manganarmes Futter, degenerieren ihre Keimdrüsen, und sie werden vollkommen steril. Bei Mäusen beobachtet man nach manganarmer Ernährung Wachstumshemmungen und Brunstminderung. In Holland wurde früher die in manganarmen alkalischen Tongebieten beobachtete Unfruchtbarkeit der Rinder mit dem Manganmangel in Zusammenhang gebracht. Kaninchen brauchen zum normalen Gedeihen täglich mindestens 0,3 mg Mangan; beim Unterschreiten dieser Menge verkümmern sich die Vorderbeine.
In Amerika wurde die sog. Perosis der Küken von Wilgus, Norris und Heuser als Manganmangelkrankheit erkannt. Bei den an Perosis erkrankten Küken sind die Knochen der Beine und Flügel verkürzt und am Schienbein-Mittelfußgelenk mißgestaltet. Füttert man diese Tiere mit manganhaltiger Reiskleie oder mit Spuren von Mangansalzen (z. B. 30 mg Mangansulfat im kg Futtergemisch), so unterbleibt die Krankheit. Werden Hühner manganarm ernährt, so enthalten auch die von ihnen gelegten Eier zu wenig Mangan: die aus ihnen geschlüpften Hühnchen erkranken an Perosis. In solchen Fällen kann man den Ausbruch der Krankheit verhüten, wenn man die Eier bereits vor dem Bebrüten verdünnte Manganlösungen einspritzt. Da man in den Knochen von Küken, Kaninchen, Ratten und anderen Tieren immer wieder bestimmte Manganmengen vorfindet, nehmen verschiedene Forscher an, daß dieses Element zur normalen Knochenausbildung benötigt wird. Eine abwechslungsreiche, normale Tageskost enthält im allgemeinen genügend Mangan.
Eine "Manganüberschußkrankheit" beobachtet man bei den Pferden auf manganreichen Gras- und Waldweiden von Nordskandinavien. Es tritt hier eine Art Ödem auf, die man auf eine Blockierung oder Zerstörung des im Gras enthaltenen Vitamins B1 durch den Manganüberschuß zurückführt.