Kupfer in Pflanzen
In der obersten Erdrinde ist Kupfer nur in wenigen abbauwürdigen Lagerstätten angereichert, so z. B. im Mansfelder
Kupferschiefer, in Karelien, Katanga, Arizona, Montana, Chile usw. Das Kupfer kommt hier teils als Metall, teils
in Verbindungsform vor; die Erze dieser Lagerstätte enthalten nur etwa 2 - 5% Kupfer. Die gesamten Kupfervorräte in
den heute bekannten abbauwürdigen Kupferlagern werden auf 90 - 100 t geschätzt. Die Weltkupfervorräte werden also
nicht mehr lange reichen.
Weit größere Kupfermengen finden sich in den Böden, Gesteinen und Meeren der Erde; allerdings liegt das Kupfer
hier in weit größerer Verdünnung vor. Überall, wo normaler Pflanzenwuchs zu finden ist, müssen die Böden mindestens 2 mg
Kupfer im Kilo Trockenerde enthalten. Dies entspricht einer Verdünnung von 1 : 500 000. Tatsächlich können Pflanzen
auch bei bedeutend höheren Kupfergehalten des Bodens an Kupfermangelkrankheiten leiden, weil sie vielfach nur einen
Bruchteil des Bodenkupfers aufzunehmen vermögen. Doch davon später mehr.
Der durchschnittliche Kupferanteil unserer 16 km dicken, obersten Erdkruste wird mit 0,01% angegeben; doch liegt
das meiste davon in den tieferen, heute noch unzugänglichen Bereichen der Erdrinde. Die deutschen Böden enthalten
durchschnittlich 10 - 40 mg Kupfer im Kilo. Trockenes Heu enthält ca. 6 - 12, Weizen (Körner) 2 - 6, trockene
Pflaumenblätter 7, Orangenblätter 7 - 15, Orangen (Früchte) 2 - 4 mg Kupfer im Kilogramm.
Die Wirkungsweise des Kupfers in den Pflanzen ist noch nicht endgültig geklärt. Höchstwahrscheinlich spielen Kupfer
und Eisen bei der Bildung des Blattgrüns eine wichtige Rolle, obwohl keines dieser beiden Elemente in das
Blattgrünmolekül eingebaut ist. Des weiteren ist Kupfer als Katalysator in verschiedene biologische Oxydations-Reduktionsvorgänge
eingeschaltet. Die lebenswichtigen Phenolasen (Polyphenoloxydasen; Fermente, die molekularen Sauerstoff auf leicht
oxydierbare Verbindungen übertragen) sind Kupferproteide mit fest gebundenem Kupfer, letzteres ist hier prosthetische
Gruppe und Wirkungsgruppe zugleich. Man kann die Phenolasen aus den Zellen isolieren; sie spielen bei der Bildung
zahlreicher Farbstoffe (Melanine usw.) eine wichtige Rolle und oxydieren z. B. p-Kresol, Thyrosin usw. Die Bräunung
eines angeschnittenen Apfels beruht auf der Oxydation gewisser Verbindungen durch den Luftsauerstoff; dieser Prozess
wird durch kupferhaltige Fermente (Thyrosinase) katalytisch beschleunigt. Die Thyrosinase ist in reinem Zustand
ein amorphes Pulver mit 14,4% Stickstoff und ca. 0,2% Kupfer. Aus Kartoffelschalen konnte man eine Polyphenoloxydase
mit 15% Stíckstoff und 0,165% Kupfer isolieren. DIe in vielen Pflanzen nachweisbare Ascorbinooxyhydrase ist ein
Kupferproteid mit 0,15 - 0,25% Kupfer. Dieses Ferment katalysiert die Oxydation von Ascorbinsäure (= Vitamin C) zu
Dehydroascorbinsäure. Auch zur Bildung des Leghämoglobins in den Bakterienknöllchen von Schmetterlingsblütlern ist
Kupfer nötig. Die Kupferversorgung der Pflanzen muss schon in frühen Jugendstadien sichergestellt sein, sonst treten
Wachstumsstörungen und Mangelkrankheiten auf.
In Nordwestdeutschland und Holland hat man schon seit Jahrzehnten beobachtet, daß humusreiche, ehemalige Heideböden,
frühere Moorgebiete und auch sonstiges, seit langem bebautes Ackerland für viele Kulturpflanzen ungüstig ist. Bei manchen
Hafersorten werden die Blattspitzen oder auch die ganzen Blätter weiß, so daß ein solches Feld aussieht, wie wenn es
von einem Feuer oberflächlich angesengt worden wäre (daher die norddeutsche Bezeichnung Sangel, von sengen). Bei der
Gerste färben sich die Blätter oder Blattspitzen gelblich, beim Weizen sind sie blaß oder gelblich gefleckt. Alle diese
Erscheinungen weisen auf Störungen in der Chlorophyllsynthese hin. Der Strohertrag ist auf solchen Äckern oft abnorm
hoch; der Körnerertrag hingegen liegt weit unter dem Durchschnitt; oft treten taube Ähren auf; es leiden in solchen Fällen
die Fortpflanzungsorgane der Pflanzen mehr oder weniger. Auch bei anderen Gräsern wird die Samenbildung beeinträchtigt
und der Rasen sieht gelblich, blaß und kränklich aus. Die Ackerbohne (Pferdebohne, Saubohne, Vicia Faba) bleibt nieder,
sie blüht lange und zeigt nur geringen Fruchtansatz. Die Erbsen werden hellgrün oder sie verfärben sich gelblich und
verwelken vor der Zeit. Kohlrüben verkümmern und sterben unter Ausbleichen der Blätter oft frühzeitig ab. Alle diese
Krankheitserscheinungen bezeichnet man seit langem als "Urbarmachungskrankheit" (engl. reclamation disease), "Heidemoorkrankheit"
u. dgl.
Der rechte Weg zur Heilung dieser "Krankheit" wurde durch Zufall entdeckt. Im Jahre 1900 bespritze Ökonomierat Beseler
die verunkrauteten Haferfelder auf den Moorböden des Guts Cunrau mit Kupfervitriollösung statt mit dem altgewohnten
Eisenvitriol (Mittel gegen Hederich und anderes Unkraut), das zufällig nicht erhältlich war. Im folgenden Jahr wurden
Ackerbohnen angebaut, und der Kutscher des Guts erinnerte sich, daß die am besten gedeihenden Ackerbohnen den den mit
Kupfervitriol "vorbehandelten" Böden wuchsen. Beseler zog die richtige Schlußfolgerung aus dieser Beobachtung; er düngte
die Moorböden systematisch mit Kupfervitriol und erzielte damit bei der Pferdebohne Ertragssteigerungen von 50 - 100%,
bei Erbsen, Bohnen und Lupinen waren nach Kupfersulfatdüngung auf humosen Sanden Ertragszunahmen von 40 - 50% zu verzeichnen.
Die Körner-Erträge stiegen bei heidemoorkrankem Hafer nach Düngung mit Kupfervitriol um das Dreifache und darüber.
Großangelegte Kulturversuche mit Nährlösungen ergaben eindeutig, daß völlig kupferfreie Nährlösungen bei den Pflanzen
die gleichen Krankheitserscheinungen auslösten wie sie auf den Heide- und Moorböden auftraten; sie zeigten aber auch,
daß zur Heilung dieser Krankheiten sehr viel geringere Kupfermengen ausreichten als man sie bei der gewöhnlichen Düngung
benötigte. So genügt z. B. ein Zusatz von 50 y Kupfer zum Liter Nährlösung um die normale Ährenentwicklung
bei Getreidearten sicherzustellen. Bei der gewöhnlichen Felddüngung benötigt man dagegen 50 - 100 kg Kupfervitriol
(als Pulver oder z. B. in 3%iger Lösung) je Hektar. Man kann aus dem Kupfergehalt der Getreidepflanzen errechnen,
daß z. B. die Pflanzen auf einem Hektar im Jahr insgesamt höchstens 100 g Kupfer dem Boden entnehmen; trotzdem muss
man auf moorigen Böden mit der 100 bis 1000fachen Kupfermenge düngen, um gute Erträge zu erzielen. Genaue Analysen
ergaben überdies, daß auch die "wilden", nie mit Kupfersalzen gedüngten Moorböden vielfach erhebliche Kupfermengen
(2 - 15 mg im Kilo) enthielten, die eigentlich zur Bedarfsdeckung der Kulturpflanzen ausreichen müssten. Eingehende
Untersuchungen zeigten, daß die humusreichen Heide- und Moorböden das Kupfer in organischen Verbindungen so zäh
festhalten (und erhebliche Mengen an zusätzlich verabreichten Kupfer-Düngesalzen an sich binden), daß viele
Kulturpflanzen (z. B. Weizen, Hafer, Sommerroggen, Rotklee, Ackerbohnen, Buschbohnen, Hanf) außerstande sind, die
nötigen Kupfermengen durch ihr Wurzelsystem dem Boden zu entnehmen. Größere Boden-Kalkgehalte und alkalische Bodenreaktionen
können übrigens die Kupferaufnahme seitens der Pflanzen ebenfalls beeinträchtigen.
Zur Verhütung der Kupfermangelschäden kann man folgende Maßnahmen ergreifen; 1. Man bepflanzt Heide- und Moorböden
mit Pflanzen, die einen geringen Kupferbedarf haben bzw. die auch ungünstigen Böden das Kupfer entreißen können, so
z. B. Kartoffeln, Winterroggen, Buchweizen, Serradella, Spörgel u. dgl. 2. Man düngt die Böden mit Kupferverbindungen.
Hierzu verwendete man früher blaues Kupfersulfat (Kupfervitriol, CuSO4 · 5H2O); da dieses
zu teuer ist, düngt man heute mit billigeren, feingemahlenen Kupfer-Schlackenmehlen (3 - 9 dz / ha, enthält neben vielen
anderen Spurenelementen ca. 0,4% Kupfer). Nach Anwendung von Kupferschlackenmehl (3 dz / ha) stiegen die Erträge von
Hafer und Roggen von 3 - 15 dz je ha auf 20 - 24 dz; auch bei Mangold, Kohl, Rettichen, Rüben, Sonnenblumen, Obstbäumen
usw. wurden günstige Wirkungen beobachtet. 3. Man düngt mit anderen kupferhaltigen Materialien wie z. B. feingemahlenem
Mansfelder Kupferschiefer, kupferhaltigen Müllprodukten, Asche usw. Die unter 2 - 3 genannten Kupferprodukte werden
am besten vor der Getreideaussaat (z. B. 1 - 6 Monate vor derselben) auf die Böden gestreut, da schon die jungen
Pflänzchen relativ viel Kupfer benötigen. Ein einmaliges ausstreuen von 50 kg Kupfervitriol / ha reicht für etwa
9 Jahre. 4. Man bespritzt die unter Kupfermangel leidenden Pflanzen mit 1,5 bis 3%igen Kupfersulfatlösungen. Man kommt
hier mit viel geringeren Kupfermengen aus, da keine Kupferbindung durch den Boden stattfindet. Bei Kartoffeln, die
gegen die Peronospora mit Kupfersalzlösungen bespritzt wurden, beobachtete man Erhöhung des Chlorophyllgehalts (dunkleres
Grün) und Steigerung der Erträge. Die Zunahme des Chlorophyllgehalts ermöglicht eine Intensivierung der Assimilation
und damit eine erhöhte Stärkeerzeugung. 5. Wichtig ist auch eine ausreichende Wasserversorgung. Bei sehr reichlicher
Wasserzufuhr können sogar aus Moorböden noch die nötigen Kupferverbindungen löslich und aufnehmbar gemacht werden, wogegen
bei längerer Trockenheit die Kupfermangelkrankheit besonders rasch und heftig auftritt.
Allgemein
- Was sind Spurenelemente?
- Praktische Bedeutung der Spurenelemente
- Forschungsmethoden
- Widersprüche und Fehlerquellen
- Verbreitung der Spurenelemente
- Die Wirkungsweise der Spurenelemente
- Die Versorgung mit Spurenelementen
- Zukunftsprobleme
Spurenelemente in Pflanzen
Spurenelemente in Tieren und Menschen