Kobalt in Menschen und Tieren

Kobalt ist nickelartig glänzendes, unedles Schwermetall; sein Anteil an der 16 km dicken, obersten Erdkruste wird mit 0,0018% angegeben; Kobalt ist also etwa ebenso selten wie Blei, Bor und Molybdän. Größere Kobaltlagerstätten gibt es in Kanada und Marokko. Die Ackerböden enthalten 0,26 bis 11,7 mg Kobalt im Kilo. In den Pflanzen treten winzige Spuren von Kobalt auf, ihre biologische Bedeutung ist umstritten.
Wichtiger ist das Kobalt offenbar für den tierischen und menschlichen Organismus. Schon Bertrand wies 1925 in tierischen Organen 10 bis 8700 y Kobalt im Kilo Trockengewicht nach; am kobaltreichsten sind Leber und Thymusdrüse. Die Leber eines normalen Rindes enthält z. B. 0,3 bis 0,4 mg Kobalt im Kilo Trockengewicht. Die biologisch wichtigste Kobaltverbindung ist das Vitamin B 12; dieses bildet rote Kristallnädelchen von der Bruttoformel C62H86−90N14O13PCo. Vitamin B 12 wird von Kleinpilzen wie z. B. Aktinomyceten, Streptomyces-Arten usw. synthetisiert; es kommt auch in höheren Pflanzen vor. Die Pansenbakterien von Rind und Schaf können das Vitamin B 12 syntethisieren, wenn das gefütterte Gras minstens Kobalt in der Verdünnung 1 : 10 Millionen enthält; dieses Vitamin wird nötigenfalls durch den Darm aufgenommen. Bei den Tieren ist das Vitamin B 12 besonders in der Leber angereichert; das kg Frischleber enthält etwa 0,2 mg davon. Vitamin B 12 hat das (angenäherte) Molekulargewicht 1300; der Kobaltgehalt beträgt etwa 4,5%. Das Kobalt liegt in fester, dreiwertiger Bindung vor. Das Vitamin B 12 bildet einen wesentlichen Bestandteil jeder roten Blutzelle einer bestimmten Entwicklungsstufe; es regt die Blutbildung bei Anämien an, die durch Hemmung der Reifung von roten Blutkörperchen gekennzeichnet sind. Das reine Hämoglobin ist kobaltfrei.
Des weiteren kann Kobalt im tierischen und menschlichen Organismus als Aktivator für verschiedene Fermente wirken, wenn auch zugegeben ist, daß diese Funktion vielfach in ähnlicher Weise von anderen Spurenelementen (z. B. Vanadium, Cadmium, Magnesium, Eisen, Mangan) übernommen wird.
Mangel an Kobalt verursacht bei höheren Tieren oft schwere Erkrankungen. Man nennt diese Kobaltmangelkrankheit in Schottland "pine disease", in Florida "salt-lick disease" in Michigan "lakeshore disease", in Nord-Neuseeland "bush sickness", in Süd-Neuseeland "Morton Mains disease", in Australien "enzootic marasmus". Die Krankheit befällt hauptsächlich Schafe und Rinder in Gebieten, deren Böden einen durchschnittlichen Kobaltgehalt von weniger als 5 mg / kg haben. Die Jungtiere werden hier träge und schläfrig; sie bleiben im Wachstum zurück; das Fell wird rauh und unansehnlich; Nase und Augenbindehäute sind auffällig blaß (Bleichsucht). Die an Kobaltmangel erkrankten Tiere zeigen enorme Freßgelüste; sie fressen z. B. Baumrinde, Boden, Steine usw. Dieses Verhalten ist übrigens durchaus nicht töricht; denn es erhöht sich damit die Aussicht, das nötige Kobalt zu erlangen, das in den dortigen Gräsern nicht in ausreichender Menge vorhanden ist. Oft nimmt die Auszehrung solche Ausmaße an, daß z. B. die jungen Schaflämmer nicht mehr aufstehen können und schließlich zugrundegehen. Daß diese Krankheit nicht etwa durch Bakterien verursacht wird, ist aus folgenden Umständen zu schließen; 1. werden die Tiere rasch gesund, wenn man sie in eine kobaltreichere Gegend bringt, 2. unterbleibt die Krankheit auf kobaltgedüngten Böden und 3. kann man die bereits ausgebrochene Krankheit durch wiederholte Kobaltgaben (man mischt z. B. täglich 0,1 - 2 mg Kobaltnitrat oder Kobaltchlorid in das Futter von Schafen und Rindern) in kurzer Zeit heilen. In all diesen Fällen handelt es sich um Anämien (Blutmangel); der Hämoglobingehalt des Blutes ist deutlich vermindert. Offenbar steht hier das für die Blutbildung unentbehrliche, kobalthaltige Vitamin B 12 nicht in ausreichendem Maß zur Verfügung. In der praktischen Tierzucht trägt man diesem Sachverhalt Rechnung; so enthält z. B. das zur Aufzucht von Schweinen und Käbern verwendete Beifutter Vitamin B 12 und Aureomycin.