Forschungsmethoden
Die Spurenelemente werden noch nicht lange von amerikanischen und europäischen Wissenschaftlern
planmäßig erforscht. Die Gründe für ihre verhältnismäßig späte Entdeckung sind vor allem in Nachweisschwierigkeiten
zu suchen. Wenn wir bedenken, daß z. B. bereits Tagesgaben von 0,001 bis 0,005 mg (= Milligramm) Vitamin B 12 bei
einem erwachsenen Menschen von 70 kg den Ausbruch der bösartigen Blutarmut verhüten und daß der Kobaltgehalt des reinen
Vitamin B 12 nur ca. 4,5% beträgt, wird uns sofort klar, daß die Nachweise von solch geringen Mengenverhältnissen
eine außergewöhnlich chemische Präzisionsarbeit erfordern. Es ist keine Kleinigkeit, winzige Spuren von Bor, Kobalt,
Kupfer, Jod und dergleichen in solch komplizierten Verbindungsgemischen wie Blut, Pflanzenorganen, Böden, Aschen
usw. mengenmäßig exakt nachzuweisen.
Genaue chemische Nachweisverfahren mit kleinsten Stoffmengen wurden erst in den letzten Jahrzehnten ausgearbeitet. Man
unterscheidet hier zwischen der sogenannten Mikroanalyse (Untersuchungssubstanz ca. 1 mg), der Ultramikroanalyse
(Untersuchungssubstanz ca. 0,001 mg) und der Submikrogramm-Methode (Untersuchungssubstanz 0,00001 bis 0,000001 mg).
In den USA wurden während des 2. Weltkrieges im Zusammenhang mit der Konstruktion der Atombombe äußerst äußerst
raffinierte ultramikroanalytische Verfahren entwickelt, mit deren Hilfe z. B. Seaborg und seine Mitarbeiter alle
wichtigen Eigenschaften und Reaktionen von Plutonium an einem halben Milligramm Substanz feststellten. Man verwendet
hierzu z. B. Bechergläser und Reagenzgläser von 1/10 bis 1/100 000 cm3
Inhalt in Form feinster Kapillaren (sehr dünne Glasröhrschen), benützt Ultramikropipetten von 10y Fassungskraft,
untersucht Niederschläge von 10-7g Gewicht, mißt kleinste Rauminhalte, wobei 1/1000 cm3
als Einheit dient usw.
Besondere Bedeutung haben beim Nachweis kleinster Stoffmengen die hochempfindlichen Mikrowaagen erlangt. Schon vor über
100 Jahren konstruierte Kuhlmann in Hamburg eine Mikrowaage, die bei einer Belastbarkeit von 20 Gramm noch 1y anzeigte.
Corwin und Walter erstellten 1953 an der John-Hopkins-Universität in Amerika eine Waage von ähnlicher Empfindlichkeit:
diese ist in ein Aluminiumgehäuse eingeschlossen, dessen Inneres höchstens Temperaturschwankungen von 0,01° aufweist.
Die Ablesungen an der Skala erfolgen hier durch ein 200fach vergrößerndes Mikroskop. Die Mikro-Goldwaage von Sortorius
in Göttingen hat bei einer Belastbarkeit von 10 Gramm noch eine Empfindlichkeit von 0,001 mg. Äußerst empfindlich ist
auch die von Nernst vorgeschlagene Quarzfadenwaage, mit der man bei einer zweckmäßigen Höchstbelastung von einigen
Zehntelsgrammen noch etwa 1/1000 y (= 1/1000 000 mg) wägen kann. Das
Wägeergebnis konnte bei einer solchen Quarzfadenwaage z. B. 0,163452796 g lauten, wogegen die gewöhnliche Analysenwaage
nur das Ergebnis 0,1634 g anzeigen würde. Neben der Präzisionswaage spielen bei der Bestimmung der Spurenelemente
auch Spektographen, Spektroskope, Polarographen und Kolorimeter eine wichtige Rolle. Bei den modernen Kolorimetern
wird das Auge durch elektrische Photozellen ersetzt. Man mißt hier nacheinander die Intensitäten des ungeschwächten
und des durch die Lichtabsorption in der Probe geschwächten Photostroms und kann auf diese Weise z. B. 0,1 y
Phosphor, Jod oder ähnlich kleine Mengen von Magnesium, Eisen Mangan und dergleichen feststellen. Der Spektograph
gilt im allgemeinen als das empfindlichste Nachweisinstrument für Spurenelemente. Mit Hilfe von Bogenspektren lassen
sich noch 0,05 y (und weniger) Mangan und 0,1 y Kupfer nachweisen.
Nun wollen wir annehmen, wir seien selbst Spurenelementforscher und wir hätten uns beispielsweise die Aufgabe gestellt,
den Einfluss des Spurenelements Zink auf das Wachstum junger Kiefernpflänzchen zu studieren. Zu diesem Zweck lassen
wir die sorgfältig ausgelesenen, gesunden, normalen Kiefernsamen in gereinigten Schalen auf feuchtem Filtrierpapier
und dergleichen auskeimen und züchten die Keimlinge sodann in wässerigen Nährlösungen weiter. Viele Pflanzensamen
enthalten große Vorräte an Spurenelementen, aus denen der Bedarf der jungen Pflänzchen größtenteils bestritten werden kann.
Um hier Fehler zu vermeiden, wählt man als Versuchsobjekte gern sehr kleinsamige Pflanzen oder man entfernt die
Spurenelementhaltigen Keimblätter der Samen ganz oder zum Teil. Die Behälter für die Nährlösung dürfen natürlich
keine Spurenelemente abgeben; die Erfahrung hat gezeigt, dass Gefäße aus Pyrexglas oder Kunststoffen (z. B. Polyathylen)
geeignet sind.
Das Wasser, das zur Herstellung der Nährlösungen und zum Nachgießen verwendet wird, muss natürlich ebenfalls frei von
Spurenelementen sein. Für umfangreiche Serienversuche empfehlen englische Forscher z. B. Regenwasser, das aus
reinen Glasdächern von Gewächshäusern abläuft und und in Tanks gesammelt wird, die innen mit spurenelementfreien Bitumen
ausgekleidet sind. Reinigt man dieses Regenwasser noch durch Kunstharzionenaustauscher, so wird der Gehalt an Eisen
und Mangan auf weniger als 0,002 p.p.m. (1 p.p.m. = 1 part per million = 1 Teil auf eine Million, z. B. 1 Milligramm
auf 1 kg), an Bor auf etwa 0,004 p.p.m., bei Kupfer und Zink auf rund 0,006 p.p.m. gesenkt; solches Wasser ist für
viele Spurenelementversuche geeignet. Das gewöhnliche destillierte Wasser enthält etwa 0,1 bis 0,01 p.p.m. metallische
Verunreinigungen, die bei reichlicher, langfristiger Bewässerung Fehler verursachen können; es wird daher empfohlen,
dieses Wasser in einer Pyrexglasapparatur nochmals zu destillieren, um es völlig metallfrei zu machen.
Nach diesen Vorarbeiten müssen die Nährlösungen hergestellt werden. Gelehrte, wie z. B. Sachs, Pfeffer, von der Crone,
Knop und andere, haben schon vor Jahrzehnten gefunden, daß man Pflanzen ohne Verwendung von Boden in Gefäßen
aufziehen kann, die eine Reihe von Mineralsalzen (z. B. Kaliumnitrat, Magnesiumsulfat, Kaliumphosphat usw.) in Wasser
gelöst enthalten. Eine solche Nährlösung kann nach Pfeffer z. B. in 3 Liter reinem Wasser 4 g Calciumnitrat, 1 g
Kaliumnitrat, 1 g Magnesiumsulfat, 1 g Kaliumhydrogenkarbonat (= KH2PO4), 0,5 g Kaliumchlorid
und einige Tropfen Eisenchloridlösung enthalten. In diesen Pfefferschen Nährlösungen gediehen die Pflanzen früher
ganz gut, obwohl hier von Spurenelementen (Kupfer, Zink, Bor, Mangan, Kobalt, Molybdän) gar nicht die Rede ist. Dies
erklärt sich ganz einfach aus dem Umstand, daß die gewöhnlichen Chemikalien damals erhebliche Mengen von Spurenelementen
enthielten, weil die Reinigungsverfahren damals noch nicht so weit entwickelt waren wie heute. Gleichzeitig wurden
früher in die Nährlösungen die für die Pflanzen nötigen Spurenelemente mit dem mangelhaft gereinigten Wasser
eingeschleppt, oder die Spurenelemente lösten sich aus ungeeigneten Glas- bzw. Metallbehältern heraus.
Wenn wir - wie eingangs erwähnt - den Einfluß des Spurenelements Zink auf das Wachstum von Kiefernsämlingen studieren
wollen, so muß die Nährlösung alle "macronutrients" und "micronutrients" bis auf Zink enthalten. Es werden z. B. 10
Gefäße mit einer Pfefferschen Lösung gefüllt, die an Spurenelementen Eisen, Kupfer, Mangan und Bor enthält (Stammlösung).
In weitere 10 Gefäße kommt die gleiche Stammlösung, dazu aber noch 0,001 p.p.m. Zink. In die nächsten 10 Gefäße
geben wir die Stammlösung und 0,01 p.p.m. Zink, und die letzten 10 Behälter füllen wir mit der Stammlösung und
einem Zusatz von 0,1 p.p.m. Zink. Hier noch eine Zwischenbemerkung: Wenn wir von Zink-, Kupfer-, Mangan-, Eisenzusatz usw.
sprechen, meinen wir stets die betreffenden Metallsalze (die beim Auflösen in Wasser Metallionen bilden) und nicht
etwa die reinen Metalle, die ja in Wasser völlig unlöslich wären.
Wenn wir nun in den oben beschriebenen Nährlösungen Kiefernsämlinge unter völlig gleichen Umweltbedingungen (gleiche
Belichtung, gleiche Temperatur, gleiche Wasserversorgung, staubfreie Umgebung usw.) sorgfältig aufziehen, so beobachten
wir nach Monaten folgendes: Bei Verwendung der Kiefernart Pinus echinata als Versuchspflanze sind die Sämlinge
in den zinkfreien Lösungen nach 8 Monaten abgestorben. Die Sämlinge in den Behältern mit 0,001 und 0,01 p.p.m. Zink
gehen ebenfalls unter schweren Zinkmangelerscheinungen zugrunde, wogegen die Pflänzchen in den Behältern
mit 0,1 p.p.m. Zink ein normales Wachstum aufweisen. Damit wäre eindeutig bewiesen, daß diese Kiefer zum normalen
Gedeihen Spuren von Zink benötigt. Diese Versuchsbeschreibung ist übrigens kein Phantasieprodukt; die Versuchsreihe
wurde tatsächlich von dem Spurenelementforscher Charles C. Wilson ausgeführt; sie ist beschrieben in der Zeitschrift
"Science" (Washington), 1953, Seite 231 bis 233.
Neben der oben geschilderten, wissenschaftlich einwandfreien, aber umständlichen und kostspieligen Versuchsmethodik
sind noch eine Reihe von anderen Verfahren zu erwähnen: Beim sogenannten Sandkulturversuch wird feiner, gesiebter Sand
z. B. mit Gemischen von Salzsäure und Oxalsäure von anhaftenden Eisen- und Manganspuren und dergleichen befreit,
ausgewaschen und mit Kern- und Spurendüngern versehen. Will man bei einem Acker oder Garten feststellen, ob in dem
betreffenden Boden bestimmte Spurenelemente fehlen, kann man im einfachen Topfversuch Bodenproben in mehrere Töpfe
geben. Der Topf A erhält z. B. den gewöhnlichen, unbehandelten Boden, Topf B bekommt einen kleinen Zusatz von
Kupfervitriol, Topf C etwas Borax oder Borsäure, Topf D ein klein wenig Zinksulfat usw. Dann gibt man in jeden
Topf Samen von der gleichen Kulturpflanze. Falls dann z. B. die Pflanzen in Topf C am besten gedeihen, weiß man,
daß die Böden des betreffenden Ackers oder Gartens bei Bordüngung höhere Erträge geben. In manchen Fällen gibt
der sogenannte Streifenversuch wertvolle Aufschlüsse. Will man z. B. feststellen, ob ein landwirtschaftliches
Gebiet an Kupfermangel leidet, so streut man mit dem Düngestreuer eine geringe Gabe Kupferschlackenmehl (z. B.
in einer Konzentration, daß auf das Hektar 3 Doppelzentner entfallen würden) in einem 2 bis 4 m breiten Streifen
quer über die verdächtigen Schläge. Falls später die Pflanzen dieses Streifens durch schnelleres Wachstum, dunkleres
Grün, höhere Erträge usw. gegenüber der Umgebung angenehm auffallen, ist Kupferdüngung für das ganze Gebiet zu empfehlen.
Allgemein
- Was sind Spurenelemente?
- Praktische Bedeutung der Spurenelemente
- Forschungsmethoden
- Widersprüche und Fehlerquellen
- Verbreitung der Spurenelemente
- Die Wirkungsweise der Spurenelemente
- Die Versorgung mit Spurenelementen
- Zukunftsprobleme
Spurenelemente in Pflanzen
Spurenelemente in Tieren und Menschen