Eisen in Pflanzen
In vielen modernen Darstellungen wird das Eisen nicht zu den Spurenelementen gerechnet, sondern als "Kernnährstoff"
bzw. als Übergangsstufe zwischen den Kernnährstoffen und und den Spurenelementen betrachtet. Hier wird das Eisen
aus folgenden Gründen zu den Spurenelementen gezählt: 1. Das Eisen kommt in den Pflanzenorganen vielfach in ähnlich
geringen Konzentrationen vor wie die übrigen Spurenelemente; so enthält z. B.die Asche von Erdbeerblättern in je 100 g
10 mg Kupfer, 145 mg Eisen und 737 mg Mangan. 2. Eisen wirkt in den Organismen schon in sehr geringen Konzentrationen
als Hochleistungselement wie die anderen Spurenelemente. So wurde z. B. die Konzentration des Fermenteisens in der
Zellsubstanz zu 10¯7 bestimmt - so entfällt also auf je 10 000 kg Zellsubstanz nur 1 g Fermenteisen -
ohne dieses Gramm würden die Lebensprozesse zum Stillstand kommen. 3. Das Eisen erfüllt in den Organismen ähnliche
biologische Aufgaben wie andere Spurenelemente; es ist meist Bestandteil der prosthetischen Gruppe von Fermenten
bzw. Ferment-Aktivator.
In der freien Natur ist das Eisen freilich kein Spurenelement; es gehört vielmehr zu den 4 häufigsten Elementen
der Erdrinde. Sein Gewichtsanteil an der obersten 16-km-Zone der Erdkruste wird auf 4,7% berechnet; damit ist Eisen
häufiger als die biologisch so wichtigen Elemente Phosphor, Stickstoff, Kohlenstoff usw.
Das in Verbindungsform vorliegende Eisen der freien Natur fällt mengenmäßig weit mehr ins Gewicht als die tausend
eindrucksvollen Stahlwaren unserer Schwerindustrie. Die Farbe einer Landschaft wird weitgehend durch Eisen bestimmt.
Die braunen, rötlichen oder gelblichen Färbungen unserer Ackerböden sind zumeist auf Eisenhydroxyde zurückzuführen,
die in verschiedenen Verbindungsformen und mannigfachen Konzentrationsverhältnissen vorliegen. Das leuchtende Rot
des Buntsandsteins wird von Hämatit hervorgerufen; dies ist ein Eisenoxyd von der Formel Alpha-Fe2O3.
Das Grün unserer Wälder und Felder könnte ohne Mitwirkung des Eisens nicht zustandekommen, obwohl das Blattgrün
(Chlorophyll) bekanntlich eisenfrei ist.
Überall, wo Pflanzen wachsen, muß der Boden auch Eisen enthalten; denn das Eisen ist für jegliches Pflanzenwachstum
völlig unentbehrlich. Bei den höheren Pflanzen ist das Eisen vorwiegend in den Blättern konzentriert. So enthalten
z. B. Spinatblätter 0,45%, Tabakblätter 0,34%, Getreidekörner 0,03% und Zuckerrübenwurzeln bzw. Kartoffelknollen 0,04%
des Trockengewichts an Fe2O3. In den grünen Pflanzenblättern (z. B. Spinatblättern) sind ca. 82%
des Eisens in den Chlorophyllkörnern (nicht aber in den Chlorophyllmolekülen), 5% im Zellplasma und 13% in wässerigen
Zellsäften enthalten. Von dem Gesamteisen des Spinats sind nur etwa 8% durch Wasser herauslösbar. Das Eisen der
Chlorophyllkörner ist zu rund 40% (in dreiwertiger Form) an phosphorfreie Eiweißkörper, zu ca. 50% an phosphorhaltige
Eiweißkörper und zu etwa 10% an Cytochrome (als Fermenteisen bzw. Hämineisen) gebunden. Die Cytochrome sind häminartige,
komplizierte Farbstoffe (Eisen-Porphyrin-Eiweißverbindungen); es sind Fermente, deren prostethische Gruppe aus einem
Porphyrinkern mit eingebautem Eisen besteht. Diese Fermente ermöglichen (zusammen mit dem ebenfalls eisenhaltigen
Warburgschen Atmungsferment) die Oxydation von Kohlenhydraten, Fetten, Eiweißstoffen usw. bei Zimmertemperatur durch
den Luftsauerstoff, wobei Energie frei wird, die das ganze Lebensgetriebe von Pflanzen, Tieren und Menschen unterhält.
Das Eisen nimmt somit in allen Lebensprozessen eine zentrale Stellung ein.
Eisenhaltig sind auch die sog. Peroxydasen (Eisenproteide mit prosthetischen Gruppen aus eisenhaltigem Protoporphyrin);
diese im Pflanzenreich sehr verbreiteten Fermente machen aus Peroxyden aktiven Sauerstoff frei und übertragen ihn
auf andere Substrate oder Zwischenkatalysatoren. Eine ähnliche Zusammensetzung zeigt die Katalase, ein eisenhaltiges
Ferment, das giftiges Wasserstoffperoxyd (entsteht bei Atmungs- und Assimilationsprozessen) schnell in harmloses Wasser
und Sauerstoff zerlegt. Daß sogar gewöhnliche Eisenoxyde zu diesem Kunststück befähigt sind, sieht man, wenn man z. B.
in ein Probierglas mit Wasserstoffperoxyd etwas Eisenrost oder Ackererde wirft (Sauerstoffentwicklung). Die Stickstoffbindenden
Bakterienknöllchen von Schmetterlingsblütlern enthalten interessanterweise einen eisenhaltigen Farbstoff, der mit dem
Hämoglobin der Tiere sehr nahe verwandt ist. Er wird als Leghämoglobin (= Hämoglobin von Leguminosen) bezeichnet. Das
Leghämoglobin enthält 0,34% Eisen (Molekulargewicht 17 000); es ermöglicht die Bindung von Luftstickstoff durch die
Knöllchenbakterien. Neben dem chemisch gebundenen Eisen sind in den Pflanzen auch noch kleine Mengen von zweiwertigen
und dreiwertigen Eisenionen enthalten, welche bei verschiedenen Fermenten (z. B. Arginase, Kathepsin, Glycerophosphatase) als
Aktivatoren wirken.
Versucht man, Pflanzen in eisenfreien Nährlösungen aufzuziehen, so stellt sich die sog. Bleichsucht oder Chlorose ein.
Die jungen Blättchen verlieren hierbei die Fähigkeit, Blattgrün zu bilden; sie bleiben weiß oder blaßgelbgrün und
sterben bald ab. Merkwürdigerweise kommt diese Krankheit trotz der Allgegenwart des Eisens und trotz des mengenmäßig
sehr geringen Eisenbedarf der Pflanzen auch in der Natur vor. Die Bleichsucht der Kulturpflanzen wird besonders in
alkalischen, kalkreichen (oder phosphatreichen) Böden beobachtet, weil hier das Eisen in schwerlöslicher Hydroxydform
(oder als unlösliches Phosphat) vorliegt; die schwachen, organischen Säuren der Pflanzenwurzeln können hier das Eisen
kaum in Lösung bringen, da sie vom alkalisch wirkenden Kalk neutralisiert werden.
Der praktische Landwirt kann gegen Chlorose der Kulturpflanzen folgende Gegenmaßnahmen ergreifen: 1. Man baut
chloroseanfällige Pflanzenarten (z. B. Lupinen) nicht auf kalkreichen Böden an. 2. Man düngt nötigenfalls mit eisenreicher
Hochofenschlacke, Blutmehl u. dgl. 3. Man bespritzt die Blätter von bleichsüchtigen Reben oder Lupinen wiederholt mit
0,5%iger Eisensulfatlösung. 4. Manche Fälle von Chlorose sind auch durch Mangel an Magnesium bedingt, das einen
Bestandteil des Chlorophylls bildet. Deshalb empfiehlt es sich z. B. bei der Weinrebenchlorose, die Böden mit
magnesiumsulfathaltigen Düngemitteln zu düngen oder die Blätter mit Magnesiumsulfatlösungen zu spritzen. 5. Lösungen
von sog. Kalium-Eisen-Acetat auf dem Boden verspritzen. In dieser Verbindung ist das Eisen komplex verbunden; die Bodenteilchen
können es daher nicht unlöslich machen. Diese Komplexverbindung dringt in die Wurzeln und steigt in die Pflanzen empor, wobei
das Eisen wie gewöhnliches Bodeneisen verwertet wird. Das Verfahren hat sich z. B. bei Orangen, Zitronen, Mais, Ananas,
Rosen, Rasenflächen usw. gut bewährt; es werden auch ähnliche Komplexverbindungen mit Mangan, Kupfer, Zink und anderen
Spurenelementen genutzt.
Allgemein
- Was sind Spurenelemente?
- Praktische Bedeutung der Spurenelemente
- Forschungsmethoden
- Widersprüche und Fehlerquellen
- Verbreitung der Spurenelemente
- Die Wirkungsweise der Spurenelemente
- Die Versorgung mit Spurenelementen
- Zukunftsprobleme
Spurenelemente in Pflanzen
Spurenelemente in Tieren und Menschen