Die Versorgung mit Spurenelementen

Schon bei den gewöhnlichen wissenschaftlichen Pflanzenzüchtungsversuchen in Nährlösungen ist auf eine ausreichende Versorgung mit Spurenelementen zu achten. Auf diesem Gebiet hat sich besonders der amerikanische Gelehrte R. D. Hoagland (1884 - 1949) Verdienste erworben. Die von ihm zusammengestellte Nährlösung A - Z wird folgendermaßen erhalten:

Man löst in 18 Liter Wasser folgende Salze (in Gramm):

0,5 LiCl
1,0 CuSO4 · 5H2O
1,0 ZnSO4
11,0 H3BO3
1,0 Al2 (SO4)3
0,5 SnCl2 · 2H2O
7,0 MnCl2 · 4H2O
1,0 NiSO4 · 6H2O
1,0 Co(NO3)2 · 6H2O
0,5 KJ
1,0 TiO2
0,5 Kßr

Von dieser Lösung gibt man jeweils 1cm3 zum Liter einer gewöhnlichen Nährlösung (nach Sachs, Pfeffer, v. Crone und dergleichen). Das Eisen wird den gewöhnlichen Nährlösungen ohnehin in Form von einigen Tropfen Eisenchloridlösung beigemischt. Nach heutiger Auffassung sind für die normale Ernährung der Pflanzen vor allem die Spurenelemente Bor, Kupfer, Eisen, Mangan, Zink und Molybdän von Bedeutung; über die Notwendigkeit weiterer Spurenelemente streiten sich die Gelehrten. Die mit dem Hoaglandschen A-Z-Gemisch vollwertig gemachten Nährlösungen haben heute bei der bodenfreien Aufzucht von Nutzpflanzen (Gemüse, Tomaten, Gurken usw.) in den sogenannten hydroponischen Gärten eine gewisse Bedeutung erlangt; sie werden in Zukunft bei der zunehmenden Verknappung der Lebensmittel eine noch wichtigere Rolle spielen. In den hydroponischen Gärten zieht man Nutzpflanzen in gärtnerischem Maßstab in Tanks auf, die laufend mit Nährlösungen versorgt werden. Auf diese Weise haben sich z. B. die amerikanischen Truppen im 2. Weltkrieg auf den Inseln des pazifischen Ozeans laufend mit frischem Gemüse versorgt. Man erhält in den hydroponischen Gärten im Jahr auf 1 m2 Fläche bei einem Nährsalzaufwand von 1 kg rund 50 kg Frischgemüse.
Mehr oder weniger hübsche Zukunftsmusik bedeutet auch die Züchtung von Algen zur Gewinnung von Fetten, Eiweißstoffen und Kohlenhydraten. Zu den am schnellsten wachsenden, ergiebigsten Pflanzen gehört die mikroskopisch kleine, einzellige Grünalge Chlorella, von der es z. B. Stämme mit 7 - 88% Eiweiß, 6 - 38% Kohlenhydraten und 1 - 75% Fett (alles auf Trockengewicht berechnet) gibt. In Amerika werden diese Algen schon heute im Versuchsmaßstab in großen Kunststoffbehältern in spurenelementhaltigen Nährlösungen auf sonnenbeschienenen Dächern unter Einleitung von einem Gasgemisch aus z. B. 5% Kohlendioxid und 95% Luft gezüchtet. Man hat berechnet, daß 1 Hektar Chlorella-Kultur im Jahr etwa 50 t Reineiweiß und 7 t Fett liefern könnte; hingegen erhält man in Deutschland vom Hektar z. B. 2 - 3 t Weizen und 2 - 5 t Stroh, wobei hinzuzufügen ist, daß das Weizenkorn etwa 1,8% Fett, 68 - 69% Kohlenhyrate, 14% Eiweiß und 13 - 14 % Wasser enthält.
Zur Düngung unserer gewöhnlichen Gärten, Äcker und Wiesen verwendete man bis vor kurzem neben dem Stalldünger fast ausschließlich die klassischen, Stickstoff, Kali und Phosphat enthaltenen Handelsdünger. Erst seit einigen Jahren geht die Industrie mehr und mehr dazu über, auch Düngemittel mit Spurenelementen herzustellen. Hierfür stehen drei Wege offen: Man kann einfache Verbindungen (z. B. Kupfersulfat, Borax), fein gepulvert, auf die spurenelementbedürftigen Böden streuen (Verfahren A), oder man kann alle wichtigen Spurenelemente bereits in kleinen, aber ausreichenden Mengen den Volldüngern (z. B. Nitrophoska u. dgl.) beimischen (Verfahren B), oder man streut billige Massenprodukte, die jeweils kleine Prozentsätze der benötigten Spurenelemente enthalten (z. B. kupferhaltiges Kupferschlackenmehl, manganhaltige Hochofenschlacke u. dgl.) auf die Felder (Verfahren C). Verfahren A ist verhältnismäßig teuer und umständlich, da sich die wenigen Kilo der jeweils benötigten Spurenelementverbindung nur mit Schwierigkeiten gleichmäßig auf große Felder verstreuen lassen. Die Verfahren B und C treten heute in den Vordergrund. Man kann hier die Spurenelemente mit den Düngestreumaschinen bequem gleichmäßig über die Felder verteilen und (beim Verfahren B) auf die umständliche Feststellung des Spurenelementbedarfs verzichten, da hier alle wichtigen Spurenelemente gleichzeitig vorliegen. Wenn es einem Boden z. B. nur an Bor fehlt und alle übrigen Mineralnährstoffe reichlich vorhanden sind, wäre die Anwendung eines einfachen Borax-Düngers wohl richtiger. Die Sachlage ist hier im Grunde ähnlich wie bei der altbekannten Wahl zwischen Einzeldüngern (z. B. Kalisalz) und Volldüngern (z. B. Rhe ka phos).
Über die Anwendung der Spurenelementdüngung sagt P. Ehrenberg in seinem Buch "Die Düngung unserer Felder und Grünflächen" (1953) auf S. 168/169 folgendes: "Auch ist nicht zu vergessen, daß man bei allen Düngungsmaßnahmen zunächst die altgewohnten Düngemittel heranziehen sollte. Einmal die Wirtschaftsdünger (Mist, Jauche, Kompost), dann die Massendüngemittel des Handels. Erst wenn diese alle es nicht vermocht haben, gute Ernten herbeizuführen, und außerdem Wasserhaushalt, Durchlüftung und Bodenstruktur in Ordnung sind, ohne zu helfen, kann man an die Spurennährstoffe denken, vorausgesetzt, daß Saatgut, Bestellungs- und Pflegemaßnahmen (Pflanzenschutz!) einwandfrei waren".